Weinwissen

Allergene/ Unverträglichkeiten

Wein ist ein weltweit verbreitetes Kulturgut, dessen gesundheitliche Auswirkungen vielfach untersucht worden sind. 2010 wurde in einer Querschnittstudie auf Basis einer Fragebogenerhebung das Ausmaß der Weinunverträglichkeit bei Erwachsenen in Mainz im Weinanbaugebiet Rheinhessen ermittelt. Eine Untersuchung zur Häufigkeit einer Weinunverträglichkeit in einer Allgemeinbevölkerung ist bislang nicht publiziert worden. Das Ziel dieser Studie war es, die Verbreitung der Unverträglichkeit gegenüber Wein in einer Weingegend einzuschätzen. 948 Personen im Alter von 20 bis 69 Jahren (23,7%) konnten in die Auswertung einbezogen werden. 7,2 %der Teilnehmer berichteten von einer Unverträglichkeit gegenüber Wein und/oder Allergie-ähnlichen Symptomen nach Weinkonsum. Eine Weinunverträglichkeit wurde häufiger von Frauen (8,9 %) als von Männern (5,2 %) angegeben. Personen, die eine Weinunverträglichkeit mitteilten, berichteten häufiger auch andere Unverträglichkeiten insbesondere gegen Bier und Alkohol allgemein. Allergie-ähnliche Symptome wurden häufiger nach dem Genuss von Rotwein beobachtet. Rötung und Juckreiz der Haut sowie eine verschnupfte Nase waren die am meisten genannten Reaktionen. Die Prävalenz der Weinunverträglichkeit ist somit höher als erwartet. Aus den erhobenen Parametern lässt sich weniger auf eine immunologisch vermittelte Allergie schließen, sondern vielmehr auf eine Unverträglichkeit gegenüber Alkohol, biogenen Aminen oder anderen Inhaltsstoffen. Im Wein sind geringe Mengen von Proteinen enthalten, die vor allem aus der Traube stammen, jedoch auch durch Bakterien und Hefen eingebracht werden können. Unter den Proteinen im Wein konnte auch das Lipid-Transfer-Protein, kurz LTP, (Kommt in höheren Pflanzengeweben vor) aus den Trauben nachgewiesen werden. Es ist allergen anerkannt und kann zu schwerwiegenden Symptomen wie Anaphylaxie (Schockartige Reaktion bei fremdartigen Eiweißen) führen. LTP ist in den Schalen von Trauben lokalisiert, die auch in der Maische bei der Fermentierung von Rotwein vorkommen. Dies erklärt, warum Rotwein öfter allergische Reaktionen hervorruft als Weißwein, der selten eine Maischevergärung erhält. Andere Proteine wie die Thaumatin-ähnlichen Proteine, Endochitinasen und Glukanasen(in der Natur vorkommende Süßstoffe) werden ebenso als mögliche Allergene diskutiert und kommen im Weißwein und Rotwein in ähnlichen Mengen vor. Außer diesen Allergenen könnten auch andere Inhaltstoffe wie z.B. Sulfite oder biogene Amine wie Histamin oder Tyramin zu Unverträglichkeitsreaktionen führen, welche in Deutschen Weinen jedoch in weitaus geringeren Mengen vorhanden sind. Letztendlich kann auch eine allgemeine Unverträglichkeit gegenüber Alkohol zu ungewünschten Effekten führen. Hierfür könnte es mehrere Ursachen geben:

  • Polare und hydrophobe Weininhaltsstoffe könnten im Alkohol gelöst und damit deren Aufnahme durch den Körper begünstigt werden.
  • Die Absorption von Weininhaltsstoffen könnte erhöht werden, da Alkohol die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut fördert.
  • Die Alkohol-bedingte Gefäßerweiterung könnte ebenso für Symptome einer Weinunverträglichkeit wie die Rötung der Haut verantwortlich sein.
  • Alkohol hemmt das Enzym Diamino-Oxidase, das Histamin und andere biogene Amine abbaut.

Die Beobachtung, dass bei der genannten Studie nur 6 der 68 Personen mit einer Weinunverträglichkeit auch über eine Unverträglichkeit gegen Trauben berichteten, unterstützt die Vermutung, dass allergische Reaktionen sehr selten auf eine echte Allergie gegenüber Trauben verursacht wird.

Fazit: Eine überraschend hohe Anzahl an Personen gab Symptome nach Weinkonsum an; auch die Anzahl der genannten Symptome war höher als erwartet. Die Häufigkeit von Personen mit einer Weinunverträglichkeit aufgrund von Eigenangaben ist vergleichbar mit der Häufigkeit von Personen mit anderen häufigen Nahrungsmittelunverträglichen. Da eine Weinunverträglichkeit in der Allgemeinbevölkerung relativ häufig zu sein scheint, sollte diese bei entsprechenden Beschwerden im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung berücksichtigt werden. Weiterführende klinische Untersuchungen sind erforderlich, um zwischen einer echten Weinallergie und anderen Gründen für eine Unverträglichkeit wie etwa durch Alkohol, biogene Amine oder Sulfite unterscheiden zu können.