Weinanbauregionen

Rheingau

Der Rheingau ist ein kleines (3100 Hektar Rebfläche), aber illustres Weinanbaugebiet westlich von Frankfurt. Es reicht von Hochheim über Wiesbaden, Eltville und Rüdesheim bis nach Lorch. Entlang des Rheinufers bewirkt der breite Fluss einen gleichmäßigen Temperaturverlauf und verstärkt wie ein Spiegel das Sonnenlicht. Vom Gebirgszug Taunus gegen Winde gut geschützt, herrschen allgemein eher mildere Winter und warme Sommer. Außerdem fördert der im Herbst aufsteigende Nebel die Edelfäule. Auf den kalkhaltigen, sanft nach Süden zum Rhein abfallenden Lößhängen, wachsen kräftige, in der Spitze sehr feine Weißweine. Auf einer Phyllitschieferinsel bei Assmannshausen wiederum auch hellrote, zartfruchtige, teilweise mandeltönige Spätburgunder. Der Riesling bedeckt 88 Prozent der insgesamt elf Großlagen und 123 Einzellagen. Er wird – im Unterschied zum Mosel-Riesling – überwiegend trocken bis halbtrocken ausgebaut. Um Schloss Johannisberg und das Kloster Eberbach wuchsen bereits im 13. Jahrhundert Reben. Überdies gilt die Gegend als Entstehungsort der Spätlese, was durch die Geschichte vom Spätlesereiter bekundet wird. Besonders im Rheingau haben die katholischen Orden der Benediktiner und der Zisterzienser außerordentlich viel für den Weinbau geleistet, was dazu führte, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Londoner Weinkenner für eine Flasche besten Rheingauers – damals Hock genannt – genauso viel wie für eine Flasche Château Lafite zahlten. Ebenfalls ist zu erwähnen, dass die Qualitätsbezeichnung Kabinett auf den heute noch existierenden Cabinet-Keller des berühmten Zisterzienser-Klosters Eberbach zurückgeht. Im Vergleich zu damals ist Rheingauer Wein heute eher preiswert. Qualitativ gehört er in seinen besten Qualitäten jedoch immer noch zu den großen Weißweinen der Welt. Weingemeinden wie Rüdesheim, Oestrich, Hattenheim, Erbach, Kiedrich und Rauenthal genießen nach wie vor einen guten Ruf. Allerdings werden auch zahllose mittelmäßige Weine angeboten, die das Resultat viel zu hoher Erträge sind. Die lokale Vermarktung über Buschenschänken und Straßenfeste hat ebenfalls zu Qualitätseinbußen geführt. Jedoch sorgen unter anderem VDP-Klassifikationen dafür, die rassigen und würzigen Spitzenweine der Gegend zu erkennen. Zum Beispiel wurde ab dem Jahrgang 1999 die Bezeichnung „Erstes Gewächs“ mit Weinen aus erstklassig klassifizierten Lagen eingeführt. Viele der Quarz und Schieferböden in den Höheren Terroirs sowie die Lehm-, Löss- und Tonböden im Tal erstrecken sich über mehrere Gemeinden und sind die Basis für Weine, welche die gewisse Typizität entlang der wunderschönen Weinstraße „Rheingauer Riesling-Route“ authentisch widerspiegeln.